Armenien - Ein weitgehend unbekanntes Land!

Ein Gebirgsland im Kaukasus, abseits der herkömmlichen Reisepfade - uralt, steinig und zerklüftet. Hierher wollte ich schon lange reisen, einmal auf den Ararat schauen und durch die Täler des Kaukasus fahren. Vielleicht die Gelegenheit zu einer Bergwanderung nutzen und auch die Armenier ein wenig kennen zu lernen, von denen wir doch einige recht gut kennen: den amerikanischen Tennisspieler André Agassi, den französischen Chansonnier Charles Aznavour, die amerikanische Sängerin Cher, den russischen Schachspieler Garri Kasparow oder den amerikanischen Milliardär Kirk Kerkorian. 

Viele Wege führen nach Eriwan, der armenischen Hauptstadt. Ich entschied mich für den Nachtflug von München via Wien mit Austrian. Empfangen wurde ich von einer äußerst charismatischen Dame, Irina: Halb Russin, halb Armenierin, spiegelte sie in ihrer Person die jüngste Geschichte des Landes. Denn aus dem gegenwärtigen Alltag nicht wegzudenken ist die Zugehörigkeit Armeniens zum russischen Zarenreich, später zur Sowjetunion. Der Kaukasus war in der Vergangenheit zwischen verschiedenen Völkern mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit umkämpft, manche Konflikte dauern bis heute an.

Eriwan & alte Handschriften
Bei einer Stadtrundfahrt durch Eriwan besuchen wir auch eine Aufbewahrungsstätte alter Handschriften und Miniaturen: Matendaran. Hier werden einmalige armenische Handschriften auf Pergament und Papier sowie umfangreiche Sammlungen von Wiegendrucken aus verschiedenen Wissensbereichen aufbewahrt – ein faszinierendes Zeugnis der armenischen Geschichte. Die Schriften wurden aus den unterschiedlichen Siedlungsgebieten des armenischen Volkes (bis in die Türkei, nach Syrien und in den Iran) zusammengetragen.

Das Christentum in Armenien
Das Selbstverständnis Armeniens und der Armenier wird heutzutage unter anderem durch die uralte, armenisch apostolische Kirche geprägt: Der damalige armenische Staat erhob das Christentum zur Staatsreligion bevor es in Rom Staatsreligion wurde und war damit der erste christliche Staat der Erde. Das manifestiert sich in zahlreichen prachtvollen Kirchen- und Klosterbauten im ganzen Land. Beispielsweise  in den Ebenen um den Ararat, den „heiligen Berg Armeniens“, an dem Noah ́s Arche gelandet sein soll.

Sehenswerte Bauten
In den tiefen Tälern des Kaukasus sind die Kirchen und Klöster die wichtigsten Zeugnisse der armenischen Geschichte und Architektur. Beeindruckend ist vor allem die Lage mancher Klöster, wie zum Beispiel von Kloster Geghard. Gefesselt hat mich aber auch die verspielte Architektur der Kirchenbauten von Noravank. Und nicht zu vergessen ist der einzige im Kaukasus erhaltene hellenistische Tempel in Garni. Durch die Lage auf einem Felssporn krönt er geradezu die eingeschnittene Tallandschaft.

Armenien als Reiseziel
Die touristische Infrastruktur ist auf unserem Stand, obwohl der Standard der Hotellerie in der Breite noch ausbaufähig ist. Aber mit dem Wissen um die Situation kann man die geeigneten Häuser für Gäste auswählen. Und dass die Verpflegung im Land, besonders das traditionelle Fladenbrot „Lavasch“ und auch armenischer Wein, von hoher Qualität sind, habe ich selbst zur Genüge erfahren dürfen. Auf nach Armenien, einem für viele noch unbekannten Land, das durch seine kulturelle Vielfalt und seinen landschaftlichen Reichtum begeistern wird

Kurzum:
Die Reise war aufregend, hat mir immer wieder neue landschaftliche und architektonische Höhepunkte geboten. Begeistert hat mich aber auch Irina, die durch fundiertes Wissen, emotionales Führen, gleichzeitig aber auch durch eine realistische Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Situation des Landes eine Lanze für Armenien gebrochen hat.

Michael Kaufmann war für Sie in Armenien unterwegs und berichtet auch gerne persönlich von seinen Eindrücken!