La Gomera - Zwischen Regenwald und Hippie-Kultur

Die Spannung war groß – eine Woche gemeinsam mit einer Reisegruppe unterwegs auf La Gomera – was würde mich erwarten? Nicht nur die kleine Kanareninsel – bekannt als Wander- und Naturparadies – machte mich neugierig, sondern auch das Erlebnis, gemeinsam mit einer Gruppe auf eine Reise mit dem Schwerpunkt „Wandern“ zu gehen. Eine Wanderreise als Gruppenreise? Wie wird das sein? Wie wird dies bei den Teilnehmern ankommen? 

Die Wanderreise als perfekte Gruppenreise
Um es vorweg zu nehmen – die Reise war ein voller Erfolg und die Teilnehmer total begeistert. Das Naturparadies La Gomera hat mit seinen herrlichen Wanderwegen die besten Voraussetzungen geleistet – aber einen großen Teil hat auch das Erleben innerhalb der Gruppe dazu beigetragen, das gemeinsame unterwegs sein. Schnell war jedem klar, eine Wanderreise biete sich geradezu als Gruppenreise an, vor allem da die Wanderungen wirklich jeden ansprachen, der in seiner Freizeit etwas aktiv ist: Vom Neueinsteiger bis zum absoluten Wanderfreund war alles vertreten.

Der Anfang einer unvergesslichen Wanderreise
Doch zurück zum Anfang. Bereits die Anreise war ein Erlebnis und brachte uns mitten im November den Sommer zurück. Gelandet wurde in Teneriffa-Süd und mit einer Schnellfähre nach San Sebastián, der Hauptstadt La Gomeras, übergesetzt. Mit dem Bus ging es dann quer über die Insel. Bei einer atemberaubenden Panoramafahrt durch die Berge erhielten wir einen ersten Eindruck von der Schönheit der Insel. Ziel war das Valle Gran Rey – das „Tal des großen Königs“ im Südwesten der Insel.

„Tal des großen Königs“
Bald wurde jedem klar warum das Tal zum beliebten Aussteigerparadies wurde und Ende der 1960er Jahre Zufluchtsort für Hippies und Blumenkinder. War die Landschaft beim Start über die Insel noch schroff und karg, so erwartete uns jetzt ein zauberhaftes Tal mit Palmen, tropischen Obstbäumen und bunten Gärten. Ideal unser Hotel Gran Rey – nur durch eine ruhige Uferstraße vom Atlantik entfernt. Hier erwartete uns auch Ernst: unser Wanderreiseleiter, ein Österreicher mit Wohnsitz in Deutschland und seit vielen Jahren auch auf La Gomera.

Erwartungen an die erste Wanderung
Ernst hatte uns bereits am Abend zuvor eine kurze Einweisung gegeben, was wir mitnehmen sollten. Viel Wasser, eine kleine Brotzeit, Regenschutz für alle Fälle und Wanderschuhe. Jeder war gespannt: Was erwartet mich? Habe ich genügend Kondition? Kann ich mit der Gruppe mithalten oder werde ich von langsamen Teilnehmern gebremst? Am Abend wussten wir dann, dass alle unsere Sorgen und Befürchtungen grundlos waren. Die Wanderungen waren so hervorragend ausgesucht und organisiert, dass sie für jeden zum Erlebnis wurden.

Die erste Wanderung
Unser Bus brachte uns zum Ausgangspunkt der ersten Wanderung in den Nationalpark Garajonay - seit 1986 UNESCO Weltnaturerbe. Durch die unglaubliche Vegetation des immergrünen Regenwaldes ging es auf wunderschönen Wanderwegen durch den „Fabelwald“, vorbei an Lorbeer- und Erikabäumen. Ernst wusste uns immer wieder Neues zu den Pflanzen zu erzählen und erklärte uns bildhaft und nie um eine lustige Pointe verlegen die verschiedenen Pflanzenarten. Selbst als Nichtbotaniker hatte man seine Freude daran, mehr über die grüne Pracht zu erfahren.

Dann der nächste Tag.
Wieder ging es mit Ernst zum Ausgangspunkt der Wanderung. Heutiges Ziel: Pico de Garajonay – mit 1.487m der höchste Berg der Insel. Auf der Aussichtsplattform genossen wir einen herrlichen Ausblick auf das benachbarte Teneriffa, bevor es auf dem „Hirtenpfad“ abwärts ging. Hier boten sich atemberaubende Ausblicke auf die Fortaleza, den Tafelberg
La Gomeras. Nach unglaublichen Landschaftserlebnissen endete unsere Wanderung im Töpferdorf Temecodá, wo wir uns bei einer
„Inselspezialität“ – Ziegenkäse mit Marmelade – stärkten.

Ein Tag zur Erholung?
Heute war ein freier Tag – viele Möglichkeiten boten sich an, diesen zu gestalten: Ein Ausflug mit dem Fährschiff zur Inselhauptstadt San Sebastian, ein Strandtag am Meer, eine Shoppingtour durch die kleinen Läden und Boutiquen des Ortes oder weiter wandern zum Wasserfall im Falle Gran Rey. Beim gemeinsamen Abendessen gab es viel zu berichten, was man tagsüber unternommen und erlebt hat. Aber man spürte auch: jeder erwartete unsere letzte Wanderung am nächsten Tag mit größter Spannung.

Die letzte Wanderung
Im Reiseprogramm als „anspruchsvoll“ ausgewiesen, hatte sie doch bei dem ein oder anderen ein gewisses Unbehagen verursacht. Aber auch hier hat sich wieder der Vorteil einer organisierten Reise bewährt: Die Wanderung wurde den physischen und konditionellen Voraussetzungen der Teilnehmern angepasst – je nach Kondition und Ausdauer konnten Teil- oder doch die Gesamtstrecke zurückgelegt werden, der Bus kam zu Treffpunkten, um müde Teilnehmer aufzunehmen und zum endgültigen Treffpunkt nach Agula, das als das schönste Dorf der Insel gilt, zu bringen.

Abschluss einer unvergesslichen Reise
Zum Abschluss der Reise gab es dann noch mal einen Tag zum Faulenzen oder für Ausflüge. Besonders gefragt hierbei war ein Bootsausflug zur Wal- und Delphinbeobachtung mit Fischbuffet an Bord – startend vom nahe gelegenen Hafen. Es war der Tag, an dem jeder nochmals die letzten Sonnenstrahlen tankte, bevor es zurück ins graue Deutschland ging.

Fazit der Teilnehmer
„Eine tolle Reise – so viele schöne Stunden hätten wir nicht erlebt, wenn wir alleine unterwegs gewesen wären. Ganz zu schweigen davon, dass wir viele der Wanderwege selbstständig kaum entdeckt hätten. Und dabei auch noch so viel Interessantes über die Insel, ihre Geschichte und Sagen, über ihre Vegetation und Tierwelt erfahren – toll! Wo geht die nächste Wanderreise hin?“

Mein Fazit
La Gomera ist natürlich jederzeit eine Reise wert, aber ganz besonders zu empfehlen für eine Wanderreise in der Gruppe. Es ist die sonnenverwöhnte Insel, ihre atemberaubende Vegetation ihre gut angelegten Wanderwege, die für jeden Wanderfreund etwas bieten, das Meer und seine Lavastrände, die bewahrte Ursprünglichkeit der Insel ohne Bettenburgen – und selbst die noch heute präsente Hippiekultur, die jede Reise zu einem großen Erlebnis machen.

Petra Utz war für Sie auf La Gomera unterwegs und berichtet auch gerne persönlich von ihren Eindrücken!