Nepal - Geheimnisvolles Land im Himalaya

Anfang des Jahres hatte ich die Möglichkeit eine unserer Gruppen ins ferne Nepal zu begleiten. Nepal – was verbindet man mit diesem Land? Als erstes denkt man wahrscheinlich an die Lage am Rande des Himalaya, auf dem Dach der Welt. Sicherlich ist es dort auch kalt ... Zudem ist Nepal eines der ärmsten Länder der Welt. Viele Trekkingreisende starten hier ihre Touren. Recht viel mehr weiß man oft nicht über das kleine Land. Die Reise dorthin hat mich aber eines Besseren belehrt: Die kontrastreiche Landschaft, die Kulturschätze im Kathmandu-Tal und nicht zuletzt die gastfreundlichen Nepalesen haben den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht.

Kathmandu
Los ging ́s ab Frankfurt bzw. München mit Etihad Airways über Abu Dhabi nach Kathmandu. Erwartet wurden wir bereits von unserem deutschsprechenden Reiseleiter, der uns die ganze Reise über begleitet hat. Inmitten eines schönen Gartens gelegen bildet das Hotel Shanker, ein ehemaliger Palast, eine Ruheoase in der sonst so quirligen Hauptstadt. Kathmandu liegt im gleichnamigen Tal, das nur etwa 950 km² groß ist, mittlerweile aber ca. 1,4 Millionen Einwohner hat. Kathmandu ist laut, überfüllt, chaotisch und an den meisten Tagen kann man die nahegelegenen Berge aufgrund der Luftverschmutzung nicht sehen.

Swayambunath
Nichtsdestotrotz befinden sich in Kathmandu die größten Kulturschätze des Landes, die einen Besuch absolut lohnen. Als erstes stand der Swayambunath-Stupa auf dem Programm. Über der weißen Halbkugel schauen die Augen Buddhas in alle vier Himmelsrichtungen auf das Land. Die Nepalesen sind sehr gläubige Menschen und hier taucht man zum ersten Mal in diese besondere Atmosphäre ein. Nur ca. 15 % der Nepalesen sind Buddhisten, der überwiegende Teil sind Hinduisten. Man sagt, dass die Gebete, die in Swayambunath verrichtet werden, 13 Milliarden mal besser wirken – probieren Sie es aus!

Durbar Square
Danach ging es ins Zentrum Kathmandus, das der Durbar Square bildet. Hier trifft man zum ersten Mal auf die herrliche Schnitzkunst der Newaris, mit denen sie ihre Holztempel verziert haben. Staunend beobachteten wir auch an der Stupa von Bodnath die vielen tibetischen Pilger und Exilanten, die den Stupa im Uhrzeigersinn umrundeten (damit die linke, unreine Hand von der Stupa abgewendet ist) – teilweise auf Knien.

Himalaya-Rundflug und Pashupatinath
Am nächsten Morgen stand ein spannendes Erlebnis an: Wer wollte, konnte vor Ort einen Himalaya-Rundflug buchen. Das hat sich natürlich niemand entgehen lassen! Der Höhepunkt war der Anblick des Mount Everest! Ein weiteres kulturelles Highlight war Pashupatinath, das am heiligen Fluss Bagmati gelegen die wichtigste Verbrennungsstätte ist. Hindus werden nach ihrem Tod verbrannt und so steigen hier an vielen Ghats Rauchwolken auf, dahinter sieht man die Angehörigen trauern, Pilger besuchen die unzähligen Tempel und Sadhus, heilige Männer, lassen sich ablichten. Der Glaube an die Wiedergeburt oder Erlangung des Nirvanas spielt eine wichtige Rolle.

Bhaktapur und Dhulikhel
Bhaktapur, ebenfalls eine ehemalige Königsstadt, empfing uns mit einer unbeschreiblichen Idylle und Ruhe! Bhaktapur ist ein kleines Städtchen, dessen Durbar Square und umliegenden Gassen mittelalterlich anmuten. Frauen waschen ihre Wäsche an öffentlichen Wasserstellen, Kinder spielen auf den Wegen und die Männer arbeiten am Töpferplatz an neuen Gefäßen. Die Häuser sind aus roten Ziegeln erbaut und stehen in schönem Kontrast zu den dunklen Holzschnitzereien. Unser nächstes Ziel war der kleine Ort Dhulikhel auf etwa 1.550 m Höhe, wo man bei klarem Wetter ein herrliches Panorama auf einige Achttausender des Himalaya hat.

Pokhara
In Nepal gibt es wenige stark befahrene Straßen. Von Dhulikhel nach Pokhara sind es zwar nur 230 km, die Fahrt dauert allerdings 8 Stunden! Wir allerdings sind von Kathmandu nach Pokhara geflogen. Beim Landeanflug konnten wir erkennen, dass Pokhara wunderschön in einem grünen Tal liegt und die Berge zum Greifen nahe sind! Der Hausberg Pokharas, der Machhapuchhre (auch Fischschwanz genannt), überragt mit seinen 6.997m die Stadt. Früh aufstehen lohnt sich hier! Vom Hoteldach aus konnten wir bei Sonnenaufgang beobachten, wie die Berge erst in zartes Rosa gehüllt wurden und immer weiter aus der dunklen Nacht auftauchten.

Phewa-See & Annapurna-Massiv
Pokhara ist ein beliebter Ausgangspunkt für Trekking-Touren zum Annapurna-Massiv. Da es nur 800m über dem Meeresspiegel liegt, ist es hier sogar wärmer als in Kathmandu. Nach dem Kulturprogramm der ersten Tage haben wir es genossen, einfach durch die kleinen Läden im Zentrum zu bummeln und eine gemütliche Bootsfahrt über den von Bergen gesäumten Phewa-See zu machen. Bei einer kleinen Wanderung von Sarangkot (1.590m) ins Tal konnten wir die unberührte Natur und die einfache Lebensweise der Landbevölkerung aus nächster Nähe erleben.

Chitwan Nationalpark
Wir fuhren mit dem Bus in den südlichen Teil des Landes, ins Terai. Im Norden Nepals liegt mit 8.848 m der höchste Berg der Welt, im Süden befindet sich der Chitwan Nationalpark, der fast auf Meereshöhe liegt! Man reist durch verschiedene Klimazonen, von karger Berglandschaft durch grüne Täler bis hin zum subtropischen Süden. Der Chitwan Nationalpark war mein persönliches Highlight der Reise! Unsere Safari Lodge bestand aus einfachen Bungalows (auf kleinere Stromausfälle und nicht ständig warmes Wasser muss man sich hier einstellen), einem Haupthaus mit Restaurant und einer Terrasse mit herrlichem Blick über den Fluss bis hin zum Dschungel auf der anderen Seite.

Der Nationalpark & seine Bewohner
Mit Ochsenkarren fuhren wir durch die grünen Felder zu einem Dorf der heimischen Tharu und haben einiges Interessantes erfahren: Warum sind die Tharu gegen Malaria resistent? Wie sehen nepalesische Biogas-
anlagen aus? Der Nationalpark selbst wurde auf dem Rücken eines Dickhäuters erkundet. Wir durchquerten den niedrigen Fluss, um den Dschungel zu erreichen, der von Nebelschwaden durchzogen war. Die erfahrenen Führer wissen, wo sie die bekanntesten Bewohner, die Nashörner, finden können und somit haben wir sie schnell aufgestöbert – ein spannender Moment, wenn man nach gebanntem Warten das raschelnde Laub hört und den undurchdringlichen Panzer entdeckt!

Abschied aus dem Nationalpark & Heimreise
Hier leben auch wilde Elefanten, Gaur, Rotwild, Lippenbären, Languren, Krokodile, einige wenige Tiger und unzählige Vogelarten. Am Fluss sitzend kann man die verschiedensten Vögel beobachten – wie zum Beispiel die seltene Barttrappe, die über 60cm groß wird. Per Kanu erreichten wir die Zuchtstation der Gaviale, eine weniger bekannte Krokodilart mit einer langen schmalen Schnauze. Alles in allem ein wirklicher gelungener Aufenthalt, bevor es als Reiseabschluss in die dritte Königsstadt, Patan, ging. Die „Stadt der Schönheit“ ist eine perfekte Mischung aus dem quirligen Kathmandu und dem idyllischen Bhaktapur.

Persönliches Fazit
Nepal ist sicherlich ein ungewöhnliches Reiseziel, gerade deswegen aber gut für Gruppen geeignet, wenn man das Land nicht auf eigene Faust erkunden möchte. Man sollte sich bewusst sein, dass man in eines der ärmsten Länder der Welt reist und die örtliche Infrastruktur nicht unseren deutschen Gegebenheiten entspricht. Aber die gut erhaltenen Kulturgüter, der imposante Himalaya, der grüne Chitwan Nationalpark und die freundlichen Menschen machen diese Reise zu einem tollen Erlebnis!

Andrea Oppenheimer war für Sie in Nepal unterwegs und berichtet auch gerne persönlich von ihren Eindrücken!