Welcome to Iran!

„Was?? Du reist in den Iran?"
"Was willst du denn da? Ist das nicht gefährlich?“ Von solchen und ähnlichen Fragen konnte jeder unserer Reiseteilnehmer am Beginn der Reise berichten. Tatsächlich wird der Iran in den Medien überwiegend negativ dargestellt – Mullah-Regime, Atomaufrüstung, Frauen müssen sich verschleiern, Alkoholverbot – das sind die Schlagworte, die immer genannt werden. Der Iran, das ehemalige Persien, ist (noch) ein ungewöhnliches Reiseziel. Eine der wenigen unbekannten Destinationen der Welt, die auch Vielreisende noch überraschen können – und das hat es uns alle in der Tat! So viel kann ich schon vorweg nehmen: alle Erwartungen wurden übertroffen, jeder ist begeistert, voller neuer Eindrücke und um ein paar Vorurteile leichter nach Deutschland zurück gekehrt.

Shiraz, die Stadt der Rosen, Dichter und Nachtigallen
Unsere Reiseroute führte uns vom Süden in den Norden des Landes, von frühen persischen Weltreichen über die Islamisierung bis hin zur Moderne, von kargen Wüstenstädten bis an die Hänge des mächtigen Elburz-Gebirges.
Mit Turkish Airlines flogen wir via Istanbul nach Shiraz im Süden des Irans. Shiraz ist bekannt als die Stadt der Rosen und Nachtigallen. Shiraz ist aber auch die Stadt der Dichter, da die beliebten Dichter Hafez und Saadi hier begraben sind. Wir Deutsche beschäftigen uns normalerweise nur während der Schulzeit mehr oder weniger freiwillig mit Goethe und Schiller – im Iran erfreuen sich Hafez und Saadi großer Beliebtheit, jeder hat ein Exemplar der wichtigsten Werke im Bücherregal stehen. Bei unserem Besuch des Grabmals von Hafez tummelten sich trotz der abendlichen Stunde noch viele Besucher, die ehrfürchtig das Denkmal berührten, oder junge Liebespaare, die sich andächtig Gedichte vorgelesen haben.
Der Höhepunkt der Besichtigungen in Shiraz ist sicher der Ausflug nach Persepolis, die bereits 512 v.Chr. von König Darius I. gegründete Repräsentationsstadt des riesigen Achämeniden-Reiches. Besonders die sehr gut erhaltenen Darstellungen der Delegationen aller Völker im Apadana Palast zeigen die Größe des damaligen Weltreichs auf, zu dem zum Beispiel auch Äthiopien und Indien zählten. Schade, dass wir so wenig Zeit in Shiraz hatten – der lebendige Vakil-Bazar oder das Shah Cheragh Heiligtum mit seinen prächtigen Spiegelmosaiken und der typischen Knospenkuppel sind sicher auch einen Besuch wert!

Yazd - die Stadt aus Lehmziegeln
Von Shiraz aus reisten wir weiter in die Wüstenstadt Yazd, zwischen Salz- und Sandwüsten und großen Gebirgsketten gelegen. Architektonische Meisterleistungen haben schon früh dazu beigetragen, dass sich Menschen trotz der rauen Umgebung hier ansiedeln konnten. Beispiele sind die Windtürme und die Qanate, jahrhundertealte Wasserrohrsysteme, die das Wasser aus den Bergen in die Stadt leiten.
Das Stadtbild von Yazd wird auch von den höchsten Minaretten des Irans geprägt. Der insgesamt fast 50m hohe Iwan der Jame-Moschee ist mit Fliesen in allen möglichen Blauschattierungen und floralen und kalligraphischen Mustern verkleidet. Man kann sich gar nicht satt sehen an der Vielfalt und den strahlenden Farben! Yazd ist auch die Stadt des Zoroastrismus, einer monotheistischen Religion, die 900 v.Chr. von Zarathustra gegründet wurde. Die Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde gelten als heilig.
Gleich am Stadtrand befinden sich die Türme des Schweigens – hierher wurden die Toten gebracht und den Geiern überlassen, die nichts als die Knochen übrig ließen. So wurde die heilige Erde nicht verunreinigt. Für uns ein seltsamer Gedanke und doch ein berührender Ort.

Eine der schönsten Städte der Welt: Isfahan
Der Name unserer nächsten Station klang schon beim Lesen verheißungsvoll: Isfahan! Neben dem sog. Vierzig-Säulen-Palast mit seinen prächtig verzierten Wandmalereien, einem Abendessen im Hotel Abbasi (einer ehemaligen Karawanserei), der ehrwürdigen Jame-Moschee, der armenischen Vank-Kathedrale und der zweistöckigen Khaju-Brücke konzentrierten wir uns hauptsächlich auf den Imam-Platz, von den Einheimischen gerne „Abbild der Welt“ genannt. Hinsichtlich der Größe muss sich der Imam-Platz vom Platz des Himmlischen Friedens in Peking geschlagen geben, charmanter ist er allemal. Ehemals für Polo-Spiele genutzt (das in Persien bereits im 6.Jh. v.Chr. gespielt wurde), reihen sich heute rund um den Platz die kleinen Geschäfte des Bazars von Isfahan, in der Mitte befinden sich Springbrunnen, rundherum lassen sich Touristen und Einheimische von Pferdekutschen fahren.
Dominiert wird das Bild jedoch von der prachtvollen Imam-Moschee, deren Architektur zusammen mit den kunstvoll bemalten Fliesen und beeindruckenden Mosaiken einen tiefen Eindruck hinterlässt. Neben den kulturellen Höhepunkten konnten es die meisten von uns nicht erwarten, sich in das Getümmel des riesigen Bazars zu stürzen. Was gibt es hier nicht alles zu sehen! Ein unglaublich großes Angebot an Gold in allen Formen und Varianten, das Hämmern der Kupferschmiede, die handbedruckten Tischdecken und mit Katzenhaar filigran gezeichnete Miniaturmalereien laden zum Feilschen und Staunen ein – hier findet sicherlich jeder ein passendes Souvenir! Und noch ein besonderer Tipp: gönnen Sie sich einen frischen Tee mit zuckersüßem Gebäck in einer ganz besonderen Teestube (welche genau, verraten wir Ihnen gerne bei Buchung :) ).

Die Hauptstadt Teheran
Schließlich lassen wir Isfahan hinter uns und reisen weiter in die moderne Hauptstadt Teheran, die auf bis zu 1.700m Höhe an den Hängen des Elburz-Gebirges liegt. Mehr als 8 Mio. Einwohner sorgen hier zur Rush Hour für das tägliche Verkehrschaos, das auch breit ausgebaute Autobahnen und die U-Bahn nicht verhindern können. Besonders attraktiv macht das die Hauptstadt auf den 1. Blick nicht, aber auch hier warten ganz besondere Schmuckstücke auf die Besucher: die ab 1925 regierende Pahlavi Shah-Familie hat wunderbare Paläste erbaut und das Nationalmuseum beherbergt das Archäologische Museum mit Ausstellungsstücken von unschätzbarem Wert, wie z.B. Teile der Original-Reliefs aus Persepolis.
Wir besichtigten den Golestan-Palast, in dem sich Reza Shah Pahlavi 1925 und Mohammed Reza Shah 1967 krönen ließen. Letztere ist uns vor allem von der Hochzeit mit der halbdeutschen Soraya bekannt.
Unser letzter Besuch in Teheran hat uns dann schließlich noch mehr ins Staunen versetzt. Im relativ unscheinbaren Gebäude der Zentralbank befindet sich eine der größten und wertvollsten Schatzkammern der Welt: unter der Erde glitzern die Kronjuwelen der ehemaligen persischen Herrscherfamilien um die Wette. Eine Pracht, die man sich nicht schöner vorstellen kann! Allein der Naderi-Thron ist mit über 26.700 Edelsteinen versetzt und funkelt um die Wette mit dem zweitgrößten Diamanten der Welt, dem berühmtem Pfauenthron und den Kronen vom letzten Shah und seiner zweiten Frau Farah Diba. Und das ist bei weitem nicht alles, Diamanten und Edelsteine liegen zu Hauf gut gesichert hinter dickem Panzerglas. Ein toller Abschluss unserer Reise!

Der einzigartige Zauber Persiens
Unser hervorragender Reiseleiter hat es in kürzester Zeit geschafft, uns in den Bann der reichen persischen Kultur und den Geschichten über das aktuelle Alltagsleben zu ziehen. Die iranische Bevölkerung ist sehr jung und sehr aufgeschlossen. Kein Tag – ach was, keine Stunde verging, ohne dass wir westlichen Touristen angesprochen wurden.
Ständig schallt einem ein freundliches „Welcome to Iran“ mit einem breiten Lachen entgegen. An jeder Ecke wird man gefragt, wo man her komme, wie man heiße, ob man den Namen in der unbekannten fremden Schrift auf ein schnell herausgekramtes Stück Papier schreiben könne und ja übrigens: „Welcome to Iran“!
Sah man Iraner beim Picknick, war es selbstverständlich, dass man eingeladen wurde und die vielen Köstlichkeiten probieren durfte – in Deutschland wohl unvorstellbar! Auch für gegenseitige Foto-Sessions war immer Zeit: wir fotografierten die sehr hübschen und immer schick gekleideten Iraner und Iranerinnen, um im Gegenzug als die seltsam anzuschauenden Touristen abgelichtet zu werden – natürlich immer unter großem Gelächter!
In den Augen der Einheimischen wirken wir sicherlich verkleidet, immer versucht, die strengen Bekleidungsvorschriften einzuhalten: bei Männern sind kurze Hosen, nackte Füße und lässige Kleidung tabu, Frauen dürfen nur das Gesicht und die Hände zeigen und sollen keine enganliegende Kleidung tragen. Aber auch hier merkt man die neue Offenheit des Irans: die Kopftücher rutschen auch bei den Einheimischen schon recht weit auf den Hinterkopf. Sicher ist es am Anfang ungewohnt, aber man merkt es bald nicht mehr.
Als Reisender sollte man die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigen und respektieren…und auch in unseren Breiten ist eine Kopfbedeckung nicht allzu ungewöhnlich: Noch vor nicht langer Zeit war es auch bei uns unüblich, dass Frauen ohne Kopfbedeckung das Haus verlassen.

Mein Tipp:
Der Iran ist einfach ein Reiseziel, das einige Besonderheiten aufweist, aber dafür erwartet jeden Reisenden eine absolut authentische Welt mit einer jahrtausendealten Kultur und ein mir bis dahin unbekanntes Ausmaß an Gastfreundschaft. Unter Präsident Rohani öffnet sich das Land aktuell langsam für Besucher und wir durften uns jetzt persönlich davon überzeugen, dass dieses Land absolut „bereisenswert“ ist! Nutzen Sie die Chance und erkunden Sie das Trendreiseziel 2015 mit eigenen Augen.

Andrea Oppenheimer war für Sie im Iran unterwegs und berichtet auch gerne persönlich von Ihren Eindrücken!